Nachwuchsforschungsgruppe der Hans-Böckler-Stiftung

Die Arbeit der Nachwuchsforschungsgruppe ist Thema eines Berichts in der Zeitschrift "Mitbestimmung" (Ausgabe 02/2020) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Stipendiaten der Stiftung geben einen Einblick in ihre ersten Forschungsergebnisse. So weist Max Laube darauf hin, dass sich das Bild des rechtsmotivierten Gewalttäters, wie es in den 1990er Jahren gezeichnet wurde, nicht mehr aufrecht erhalten lasse. Bei den Täter handele es sich nicht mehr mehrheitlich um Jugendliche und Heranwachsende oder die "klassischen Nazi-Skins". Häufig seien es Männer Mitte 40, so Max Laube, „die vielleicht eine Geschichte als gewaltbereite Neonazis in ihrer Jugend hatten, aber dann nicht mehr aktiv in der Szene waren und häufig nicht mehr auffällig geworden sind. Die haben sich offensichtlich im Zuge der Jahre 2015 und 2016 radikalisiert und Gewalttaten begangen.“

Hier können Sie den kompletten Bericht der Zeitschrift "Mitbestimmung" lesen.

Zahlreiche Morde, Sprengstoffanschläge und Überfälle von Rechtsterrorist*innen in der Bundesrepublik prägten das Jahr 1980. Es war das Jahr, als der Terror von rechts einen ersten Höhepunkt erreichte. Beim Anschlag auf das Münchner Oktoberfest am 26. September 1980 wurden 13 Menschen getötet und Hunderte verletzt. In der öffentlichen Wahrnehmung nehmen dieser Anschlag wie auch weitere rechtsterroristische Taten in der „alten Bundesrepublik“ nur einen geringen Stellenwert ein. Wieso wissen wir – 40 Jahre später - noch immer so wenig über die Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland?
Die Fachtagung „1980 – 2020: Die vergessene Geschichte des Rechtsterrorismus“, die am 29. Oktober in Köln stattfinden wird, nähert sich diesem bislang weitgehend übersehenen Kapitel der bundesdeutschen Geschichte. Die Veranstaltung richtet sich an das wissenschaftliche Fachpublikum ebenso wie an Praktiker*innen aus den Bereichen Rechtsextremismusprävention und -intervention sowie an historisch und politisch Interessierte. Die Veranstalter sind das NS-DOK der Stadt Köln, der Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus (FORENA) der Hochschule Düsseldorf und unsere Nachwuchsforschungsgruppe 020 der Hans-Böckler-Stiftung.
Hier können Sie die erste Ankündigung lesen. Ein ausführliches Programm folgt.

Vom 26. bis 27. März 2020 kommt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster das Netzwerk "Kriminologie in NRW" zu seiner 2. Tagung zusammen. Claudia Tutino, Max Laube und Hendrik Puls von der NFG020 werden dort ihre Forschungsergebnisse zum Wandel der Altersstruktur von Tatverdächtigen und Opfern rechtsmotivierter Gewaltdelinquenz vorstellen. Prof. Dr. Tobias Singelnstein hält den Auftaktvortrag zum Thema "Preventive Turn" in der Sicherheitspolitik. Das komplette Programm der Tagung ist hier einsehbar. Anmeldungen zur Tagung nimmt das Organisationsteam des Instituts für Kriminalwissenschaften entgegen. Weitere Informationen zur Tagung hier.
Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Tagung im März ausgefallen und wird am 12. Juni als Online-Veranstaltung nachgeholt.

 

Max Laube referiert am 2. März in Wuppertal zum Thema "Verzerrte Wahrnehmung. Polizeistatistik in der Kritik". Sein Vortrag greift die divergierenden Einschätzungen zur Anzahl der Todesopfern rechter Gewalt auf und beleuchtet das polizeiliche Erfassungssystem politisch motivierter Straftaten. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr in der Diakoniekirche im Stadtteil Elberfeld. Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung "Opfer rechter Gewalt", die noch bis Ende März in Wuppertal gastiert. Die Veranstaltungsreihe des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal wird von zahlreichen Initiativen unterstützt.

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019, bei dem der Täter seine Taten mit einem Smartphone filmte und live ins Internet streamte, ist plötzlich die Rede von der Gamification bzw. Gamifizierung des Terrors. Doch ist dieser Begriff tatsächlich geeignet, um die besonderen Charakteristika des Anschlags zu beschreiben? Oder handelt es sich um ein modisches Schlagwort, das mehr verschleiert als erklärt? Hendrik Puls argumentiert im dritten "Working Paper" der NFG020, dass der Begriff gemieden werden sollte, da sich die Bedeutungszusammenhänge des aus anderen Kontexten entlehnten Begriffes Gamification nicht auf rechtsmotivierte Gewalttaten übertragen lassen. Am Beispiel des Anschlags von Halle zeigen sich vielmehr veränderte Inszenierungsformen von Gewalt sowie bislang noch eher wenig beachtete „radikale Milieus“, die sich vor allem mittels des Internets konstituieren.

Hier das "NFG020 Working Paper #3" downloaden.

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